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Der Weg aus dem Gefühl heraus geht mitten hindurch

Ein Freund hat mich heute Morgen dazu inspiriert, spontan diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Er hadert seit Wochen mit sich selbst, weil er beruflich nicht das tut, was er gerne tun würde und nicht so richtig weiß, wie er dies ändern kann. Und aus der Rat- und Hilflosigkeit heraus erstarrt er immer mehr und wird immer unzufriedener mit sich und seiner Situation und fühlt sich immer frustrierter... 

 

Ich vermute, dass es kaum jemanden gibt, der solch einen 'Das Leben ist doof und ich habe keine Lust mehr darauf' Frust-Zustand  nicht kennt. Ich kenne ihn jedenfalls sehr gut. Und weiß aber zum Glück seit einigen Jahren was ich tun kann, um schnellstmöglich wieder aus ihm herauszukommen! Und eine ganz grundlegende Sache, die mir dabei hilft, möchte ich heute mit euch teilen: 

 

Der unbewusste Reflex ist glaube ich oft, dass wir den Frust oder die Hilflosigkeit oder die Traurigkeit oder was immer das ungute Gefühl ist, nicht spüren wollen und es daher verdrängen, ignorieren, auf die Seite schieben und uns abzulenken versuchen, z.B. durch Fernsehen, Sport, Kino, Musik, Bücher, Partys, Alkohol und dergleichen. Kurzfristig finde ich das meist durchaus hilfreich, aber langfristig ändert sich dadurch in aller Regel nix! 

 

Um aus dem Frust-Zustand herauszukommen ist es meiner Erfahrung nach wichtig, den Frust - oder was immer das ungute Gefühl ist, das wir nicht haben wollen - zumindest ein bisschen zuzulassen und es zu fühlen. Zu fühlen, dass wir z.B. traurig sind oder enttäuscht oder sauer oder unsicher oder hoffnungslos. Und sich dann zu fragen, was die Botschaft des Gefühls ist. Was will es mir sagen? Auf welches Bedürfnis will es mich hinweisen? Und mich dann zu fragen, was ich jetzt tun kann, um dieses Bedürfnis zumindest ein klitzekleines bisschen zu erfüllen? Dadurch wandelt sich das Gefühl erstaunlicherweise und ich komme in eine aktive Handlung rein, mit der ich selbst dazu beitrage, dass es mir ein bisschen besser geht. Und ich bin wieder Gestalter meines Lebens statt Opfer... 

 

Wenn ihr also merkt, dass ihr schon zu lange in einem unguten Gefühls-Zustand verharrt, den ihr nicht haben möchtet, dann macht folgendes: 

 

Zieht euch für ein paar Minuten zurück und macht euch bewusst, was euch alles durch den Kopf geht - über euch selbst und eure Situation. Lasst alle Gedanken zu und macht euch dann bewusst, welche Gefühle diese Gedanken in euch auslösen. Und lasst auch diese Gefühle zu und fühlt sie. Und dann fragt ihr euch, auf welche Bedürfnisse euch eure Gefühle hinweisen wollen. Und wenn euch die Bedürfnisse klar geworden sind, fragt ihr euch, was ihr JETZT in diesem Moment konkret tun könnt, um diese Bedürfnisse zumindest ein klitzekleines bisschen zu erfüllen. Und dann macht ihr genau das. 

 

Den kleinen Prozess, den ich gerade beschrieben habe, nennt man Selbstempathie. Man ist einfühlsam mit sich selbst, auch und gerade wenn die Dinge nicht gut laufen. Wie ein guter Freund. Der macht einen auch nicht fertig, wenn er merkt, dass es uns sch… geht, sondern bemüht sich, uns aufzubauen.

 

Wer sich angewöhnt, wie ein guter Freund mit sich selbst umzugehen, gewinnt immer mehr Selbstbewusstsein und wird immer mehr zum Gestalter seines Lebens. Es ist ein kleiner unscheinbarer Prozess mit riesiger Wirkung! Zu dem ich euch inspirieren will.

 

Trainiert euch darin, immer wieder den folgenden kleinen Prozess zu durchlaufen: 

  1. Was denke ich über mich und meine aktuelle Situation?
  2. Welche Gefühle kommen bei diesen Gedanken in mir hoch? 
  3. Auf welche Bedürfnisse möchten mich meine Gefühle hinweisen?
  4. Was kann ich jetzt tun, um diese Bedürfnisse wenigstens ein bisschen zu erfüllen? 
  5. Umsetzen der kleinen Handlung, die mein Bedürfnis zumindest ein wenig erfüllt. 

Ich nenne das Psycho-Hygiene und finde es ähnlich wichtig wie Zähneputzen und Sport machen. Wenn wir es nicht machen, verlieren wir die Muskeln und die Zähne... ;-) 

 

Hier noch ein Video meiner niederländischen GFK-Trainer-Kollegin Marianne van Dijk, das für einige von euch vielleicht eine gute Hilfestellung ist. Marianne hat eine ganze Reihe von Videos zum Umgang mit emotionalen und zwischenmenschlichen Problemen produziert, die ich sehr anschaulich und hilfreich finde. Ihr findet sie unter diesem Link... Denjenigen, die gerne lesen, möchte ich noch ein Buch empfehlen. Es stammt von der amerikanischen Psychologie-Professorin Kristin Neff und heißt Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden.  

 

Ich wünsche euch viele ermutigende Erfahrungen beim Umsetzen! Und denkt daran: 1 Minute Sport ist besser als keine und 1 Minute Selbstempathie ist besser als keine... 

 

Herzlich, Silvia